
Gemeinschaft ist keine Dienstleistung
Gemeinschaft ist ein Wort, das schnell gesagt ist.
Wir sprechen von Gemeinschaft, wenn Menschen ein gemeinsames Interesse haben, demselben Verein angehören oder sich regelmäßig treffen. Aber reicht das schon?
Für uns nicht.
Gemeinschaft beginnt dort, wo es nicht mehr nur darum geht, was ich selbst davon habe.
Eine Loge ist keine Dienstleistung, die man in Anspruch nimmt, solange sie den eigenen Erwartungen entspricht. Und sie ist auch kein Netzwerk, dem man beitritt, weil sich daraus vielleicht interessante Kontakte, gesellschaftliche Anerkennung oder andere Vorteile ergeben.
Freimaurerische Gemeinschaft funktioniert anders.
Wer Teil einer Gemeinschaft sein möchte, muss auch bereit sein, selbst etwas hineinzutragen.
Zeit. Aufmerksamkeit. Ideen. Arbeit. Verlässlichkeit. Manchmal Geduld. Manchmal die Bereitschaft, eine andere Meinung auszuhalten. Und manchmal schlicht die Entscheidung, da zu sein, obwohl es gerade bequemer wäre, es nicht zu sein.
Dafür gibt es keine Urkunde und keinen materiellen Gegenwert.
Was daraus entstehen kann, lässt sich ohnehin schlecht in Geld bemessen: Vertrauen. Freundschaft. Das Gefühl, sich aufeinander verlassen zu können. Und die Erfahrung, Teil von etwas zu sein, das nicht nur von den eigenen Bedürfnissen abhängt.
Gemeinschaft bedeutet nicht Gleichheit
In unserer Loge Labyrinth, Freimaurereinnen in Bremen, begegnen sich Frauen mit unterschiedlichen Lebenswegen, Berufen, Erfahrungen und Ansichten.
Das finden wir gut.
Wir müssen nicht dasselbe denken, denselben Lebensentwurf haben oder außerhalb der Loge dieselben Interessen teilen. Gemeinschaft entsteht für uns nicht dadurch, dass Unterschiede verschwinden.
Sie entsteht dadurch, dass wir lernen, auch mit diesen Unterschieden miteinander verbunden zu bleiben. Für manch eine eoine echte Herausforderung.
Das ist manchmal einfach.
Und manchmal ist es Arbeit.
Vielleicht liegt gerade darin ein Wert, der heute ein wenig aus der Mode gekommen ist. Es ist leicht, eine Gemeinschaft gut zu finden, solange alles den eigenen Vorstellungen entspricht. Interessanter wird es dort, wo unterschiedliche Menschen Verantwortung füreinander und für etwas Gemeinsames übernehmen.
Was bringe ich mit?
Wer sich für Freimaurerei interessiert, fragt verständlicherweise irgendwann:
Was finde ich dort?
Vielleicht lohnt sich aber noch eine zweite Frage:
Was bin ich bereit, selbst mitzubringen?
Denn Gemeinschaft entsteht nicht durch diejenigen, die sie erwarten. Sie entsteht durch diejenigen, die sie leben.
Im Labyrint, Freimaurerinnen in Bremen, suchen wir deshalb keine bestimmten Berufe, gesellschaftlichen Positionen oder perfekten Lebensläufe. Wir mögen Frauen mit Bodenhaftung. Frauen mit Lebenserfahrung. Frauen, die wissen, dass nicht immer alles nach Plan läuft und dass man trotzdem weitermachen kann.
Frauen, die neugierig geblieben sind, Freundschaft können und bereit sind, für eine Gemeinschaft einzustehen, von der sie keinen materiellen Vorteil erwarten.
Vielleicht ist das ein etwas altmodischer Gedanke. Damit können wir gut leben.
