Freimaurerei

Freimaurerei ist die Idee eines Modells für das Zusammenleben von Menschen, geprägt von Respekt, Achtung und Wertschätzung, Verständnis und Toleranz.

Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Humanität wollen wir durch unsere rituelle Arbeit in der Loge verinnerlichen und im Alltag leben. Dabei arbeitet jede an sich selbst, entwickelt ihre eigene Haltung und findet ihren eigenen Platz in der Welt.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Humanität

Die großen Begriffe der Freimaurerei klingen zunächst abstrakt. Interessant werden sie erst, wenn sie im Alltag eine Bedeutung bekommen.

Freiheit bedeutet für uns, frei zu denken und sich eine eigene Meinung zu bilden. Das kann auch bedeuten, eine Ansicht zu hinterfragen, die alle anderen im Raum teilen. In der Loge muss eine Schwester nicht meiner Meinung sein. Ich muss aber bereit sein, ihr zuzuhören und mich ernsthaft mit ihrer Sichtweise auseinanderzusetzen.

Gleichheit erleben wir ganz praktisch: In der Loge spielt es keine Rolle, welchen Beruf eine Schwester hat, welchen akademischen Titel sie trägt oder wie groß ihr gesellschaftliches Ansehen ist. Die Geschäftsführerin sitzt neben der Angestellten, die Professorin neben der Handwerkerin. Wir begegnen uns als Schwestern auf Augenhöhe.

Brüderlichkeit* zeigt sich nicht darin, dass wir immer einer Meinung sind, sind wir nicht und das macht auch nichts. Sie zeigt sich gerade dann, wenn es schwierig wird. Ich kann einer Schwester widersprechen und ihr trotzdem loyal und respektvoll begegnen. Und wenn sie meine Unterstützung braucht, ist ein unterschiedlicher Standpunkt kein Grund, sie ihr zu verweigern. Und wenn ich es ernst meine, lerne ich andere Meinungen, auch für mich total unverständliche, auszuhalten im Sinne von akzeptieren des Andersseins.

Humanität beginnt ebenfalls nicht bei großen gesellschaftlichen Fragen. Sie beginnt im Umgang mit dem Menschen, der mir gegenübersitzt: Höre ich aktiv zu?  Urteile ich vorschnell? Kann ich einen Menschen respektieren, dessen Lebensentwurf oder Meinung nicht meiner entspricht? Verlasse ich gar die Loge, weil jemand anders ist/agiert als ich oder habe ich die freimaurerische Arbeit aufgenommen und nehme sie ernst?

Genau deshalb arbeiten wir in der Freimaurerei nicht daran, die anderen zu verändern. Wir arbeiten zunächst an uns selbst und daran mit anderen umzugehen.

Ritual, Geduld und Verschwiegenheit

Das Ritual gibt unserer freimaurerischen Arbeit eine feste Struktur. Wer danach sucht, kann Rituale und Abläufe der Freimaurerei heute an vielen Stellen finden und nachlesen.

Die Frage ist vielmehr, ob man das möchte. Wer vor der eigenen Aufnahme bereits genau weiß, was geschehen wird, nimmt sich möglicherweise selbst ein besonderes und einmaliges Erlebnis. Deshalb empfehlen wir, nicht ungeduldig und neugierig alles zu recherchieren, sondern vertrauensvoll zu warten, bis der jeweilige Grad tatsächlich ansteht.

Auch das gehört für uns zur freimaurerischen Arbeit: Geduld und Vertrauen. Ich muss nicht alles sofort wissen. Ich darf darauf vertrauen, dass meine Schwestern aufgrund ihrer Erfahrung wissen, was zu welchem Zeitpunkt für mich richtig ist. Und ich vertraue darauf, dass sie dabei mit Wohlwollen handeln.

Verschwiegenheit hat für uns eine andere Bedeutung. Was in der Loge besprochen wird, bleibt in der Loge. Und was eine Schwester mir persönlich anvertraut, erzähle ich nicht weiter. Verschwiegenheit schafft damit den geschützten Raum, in dem wir offen miteinander sprechen können und uns aufeinander verlassen dürfen.

Was ein Ritual in einem Menschen auslöst, ist individuell. Manches erschließt sich unmittelbar, anderes vielleicht erst später oder mit zunehmender freimaurerischer Erfahrung. Auch deshalb muss nicht alles vorweggenommen werden.

Wir respektieren alle Religionen, sind aber keine Religionsgemeinschaft.

Den Satz „Man muss es selbst erfahren“ habe ich bewusst nicht wieder in Richtung eines geheimnisvollen Erlebnisses aufgeladen. Der interessantere Gedanke ist hier für mich tatsächlich eurer: Man könnte es vorher wissen – aber Geduld und Vertrauen sind Teil des Weges.

Symbole als Werkzeuge

Winkel, Zirkel und Lot stammen ursprünglich aus dem Handwerk. In der Freimaurerei werden daraus Werkzeuge für die Arbeit an uns selbst.

Die Symbole der Freimaurerei sind für uns keine Dekoration. Sie geben uns Bilder an die Hand, mit denen wir über ganz konkrete Fragen unseres Lebens und unseres Miteinanders in der Loge nachdenken können.

Nehmen wir das Lot. Es führt in die Tiefe und steht für Aufrichtigkeit. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf mich selbst, sondern auch auf mein Gegenüber.

Ist das Vertrauen, das ich einer Schwester entgegenbringe, gerechtfertigt? Ist sie aufrichtig mit mir? Kann ich mich auf sie verlassen – und kann sie sich ebenso auf mich verlassen?

Gerade in einer Gemeinschaft, in der Verschwiegenheit und Vertrauen eine so große Rolle spielen, sind das keine theoretischen Fragen. Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass wir uns Schwestern nennen. Jede Schwester muss sich im Miteinander der Loge bewähren.

Der Winkel steht für Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Mit ihm prüfe ich mein eigenes Denken und Handeln: Handle ich ehrlich und wahrhaftig? Entspricht mein Handeln den Regeln der Loge und den Werten, für die unsere Symbole stehen? Der Winkel fordert damit nicht nur dazu auf, einen Maßstab an andere anzulegen, sondern zunächst das eigene Verhalten daran zu prüfen.

Der Zirkel ist das Messinstrument des Meisters: Maß nehmen und Maß geben. Damit kommt eine weitere Verantwortung hinzu – die Beurteilung. Ist eine Schwester in ihrer persönlichen Entwicklung bereit für den nächsten Grad? Werden die Regeln innerhalb der Loge eingehalten? Welche Aufgaben und welche Verantwortung kann ich einer Schwester aufgrund ihrer persönlichen Entwicklung übertragen?

Maß zu nehmen bedeutet dabei nicht, Menschen nach persönlichen Vorlieben zu beurteilen. Der Maßstab sind die gemeinsamen Regeln, Werte und freimaurerischen Grundsätze. Maß zu geben bedeutet zugleich, Verantwortung dafür zu übernehmen, was ich einer Schwester zutraue und übertrage.

Winkel, Zirkel, Lot und andere Werkzeuge helfen uns auf diese Weise, freimaurerische Werte mit unserem eigenen Erleben zu verbinden. Sie geben keine fertigen Antworten vor. Sie stellen vielmehr Fragen, mit denen sich jede Schwester selbst auseinandersetzen muss.

Gleichzeitig stehen diese Symbole für etwas, das über die einzelne Schwester und auch über die einzelne Loge hinausgeht: für die Regeln und Grundsätze, die in jeder Loge gelten und Freimaurerei überhaupt erst zu Freimaurerei machen. Logen können unterschiedlich sein, Menschen ohnehin – aber diese gemeinsamen Grundlagen verbinden uns.

Die Symbole sind damit beides: Werkzeuge für die persönliche Arbeit an uns selbst und sichtbarer Ausdruck dessen, was uns als Freimaurer miteinander verbindet.

Eine Schwester kann ein Symbol im Laufe ihres freimaurerischen Weges immer wieder neu und tiefer verstehen. Mit der persönlichen Entwicklung verändert sich auch der Blick auf das Werkzeug. Genau darin liegt für uns sein Wert.

Lehrling, Geselle und Meister

Die bis heute bestehende Einteilung in die Grade Lehrling, Geselle und Meister wurde symbolisch aus dem Handwerk übernommen.

Jede Schwester durchläuft diese Grade. Jede bekommt jeden Grad, wenn sie dran ist. Sie bauen inhaltlich aufeinander auf und stehen für eine Reihenfolge des persönlichen freimaurerischen Weges – nicht für eine Hierarchie. Sie symbolisieren im wesentlichen die Erkenntnisse, die sich aus den jeweiligen Arbeitsaufträgen der Grade ergeben. Deshalb sind sie nicht mit den profanen Graden des Handwerks gleichzusetzen, auch wenn sie genauso heißen.

Und mit der Meisterschaft hört das Lernen nicht auf.

Wer die Grade mit Hierarchie oder persönlichem Schmuck verwechselt, missversteht einen wesentlichen Gedanken der Freimaurerei.

Die Grade sind symbolisch. Nicht ich entscheide, ob ich Meister bin – meine Schwestern erkennen, ob ich bereit bin. Für alle gelten dieselben Regeln.

Lehrling
schau in Dich

Als Lehrling komme ich neu in eine bestehende Gemeinschaft mit eigenen Regeln und Traditionen. Mein erster Auftrag ist, zuzuhören, zu beobachten und zu verstehen: Was gilt hier, was wird von mir erwartet und warum werden Dinge so gemacht?
Zum Lehrlingsgrad gehört deshalb auch, zunächst still zu arbeiten. Nicht sofort verändern oder bewerten, sondern das Bestehende kennenlernen und den eigenen Platz darin finden.
Was lerne ich daraus?
Geduld, Zuhören und Vertrauen in die Erfahrung meiner Schwestern – und mich selbst zu hinterfragen, bevor ich andere oder das Bestehende beurteile.

Geselle
schau um Dich

Als Geselle weitet sich mein Blick. Ich kenne die Gemeinschaft inzwischen und beginne, meinen eigenen Platz im großen Bau zu finden.
Dazu gehört, mich einzubringen und erste Aufgaben zu übernehmen. Ich lerne, wo meine Fähigkeiten gebraucht werden, wie ich zum Gelingen der Loge beitragen kann und welche Verantwortung ich bereits übernehmen kann.
Was lerne ich daraus?
Meinen Platz in der Gemeinschaft zu finden, Verantwortung zu übernehmen und mit meinen Fähigkeiten am gemeinsamen Werk mitzuarbeiten.

Meister
schau über Dich

Als Meister kenne ich die Loge, ihre Regeln und ihre Arbeitsweise. Verantwortung zu übernehmen bedeutet jetzt, nicht darauf zu warten, dass mir jemand eine Aufgabe gibt. Ich sehe, wo etwas gebraucht wird, und werde selbst tätig.
Ich bringe meine Erfahrung ein, unterstütze andere Schwestern und springe dort ein, wo etwas fehlt. Mein Platz ist dort, wo ich für die Gemeinschaft Verantwortung übernehmen kann.
Was lerne ich daraus?
Eigenständig zu handeln, Verantwortung zu erkennen und zu übernehmen – für meine Schwestern und für das gemeinsame Werk.

Ist Freimaurerei etwas für Sie?

Sind Sie neugierig? Lesen und lernen Sie gerne? Haben Sie Freude daran, sich mit Philosophie, Symbolik und den eigenen Standpunkten auseinanderzusetzen? Können Sie sich auf Rituale und eine Gemeinschaft einlassen, in der Verschwiegenheit und Verlässlichkeit wichtig sind?

Dann sollten Sie uns kennenlernen.

Hinweis: Wir verwenden bewusst die traditionellen freimaurerischen Bezeichnungen wie Brüderlichkeit, Geselle und Meister. Sie bezeichnen überlieferte Begriffe und Grade der Freimaurerei und sind in diesem Sinne geschlechtsunabhängig zu verstehen.